«Brennpunkt Umweltpolitik - Brauchen wir eine neue ökonomische ‘Weltordnung‘? Und wenn ja, welche?»

Sommertagung 2022 zum Schwerpunktthema

Im Jahr 2022 dreht sich bei den Umweltfreisinnigen alles um das Schwerpunktthema «Innovation». Auch an der diesjährigen Sommertagung im Stadthaus der Ortsbürgergemeinde St.Gallen haben wir uns mit den Fragen beschäftigt, ob wir unser «Mindset» neu denken bzw. unser Wirtschaftssystem ändern müssten, um die anstehenden Herausforderungen bezüglich Umwelt zu meistern. Mit Irmi Seidl, Mathias Binswanger und Susanne Vincenz-Stauffacher sind wir der Sache auf den Grund gegangen. An den drei im Vormittag integrierten Workshops sind auch eigene (innovative) Ideen eingebracht worden.

Nach der Begrüssung durch Raphael Lüchinger, Präsident Umweltfreisinnige St.Gallen, hat Prof. Dr. Mathias Binswanger, Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), mit dem ersten Inputreferat aufgezeigt, wieso eine Volkswirtschaft immer weiterwachsen muss. In der Wirtschaft besteht ein sogenannter «Wachstumszwang», selbst wenn wir genug haben. Denn ohne Wachstum der Wirtschaft werden keine Investitionen getätigt, keine Arbeitsplätze geschaffen, stehen keine Gelder für soziale Zwecke zur Verfügung. Wir können höchstens festlegen, wie hoch das Wachstums sein darf, um die Auswirkungen auf die Umwelt in Grenzen zu halten. Mathias Binswanger hat dazu ein paar Schritte aufgezählt, die für eine «ökologische» Mässigung des Wirtschaftswachstums notwendig wären.

Im zweiten Inputreferat legte Prof. Dr. Irmi Seidl, Institut für Wald, Schnee und Landschaft
(WSL), dar, dass es sehr wohl eine Postwachstumsgesellschaft geben kann, in der es nicht mehr um quantitatives Wachstum gehen wird. Sie hat Ansätze zur Reduktion von Wachstumszwängern innerhalb des bestehenden Systems aufgezeigt, z.B. durch neue Unternehmensformen.

In Kurzworkshops unter Leitung von Daniel Gerber, Andreas Kunz und Raphael Lüchinger haben die Teilnehmenden folgende spannende Fragen erörtert: Ist die ökologische Steuerreform eine Lösung? Sind Ökonomie und Ökologie Gegensätze? Kann Umweltpolitik überhaupt liberal sein?

Zum Abschluss hat  lic. iur. Susanne Vincenz-Stauffacher, Nationalrätin FDP-UFS, die Referate und die Ideen politisch eingeordnet: Die Politik darf nicht Teil des Problems, sondern muss Teil der Lösung sein. Sie weist auf die politischen Errungenschaften in der liberalen Umweltpolitik hin. Ein Systemwechsel hin zu einer ökologischen Steuerreform sieht sie im Moment als politisch nicht umsetzbar.

Mit einem reichhaltigen Apéro und interessantem Networking haben wir am Mittag diesen gelungenen Anlass ausklingen lassen.

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