Gewässerrevitalisierung - Erfolgsmodell oder Geldverschwendung?

Wo bis vor wenigen Jahren ein geradliniger, rund 140-jähriger Kanal durch die Landschaft floss, ist heute ein völlig neues Gewässer entstanden. Statt den bestehenden Kanal lediglich zu sanieren, wurde zwischen Sevelen (Auhof) und der Raststätte Rheintal ein umfassendes Revitalisierungsprojekt realisiert. Das neue Gewässer ist stellenweise bis zu 60 Meter breit und zwei Meter tief und schafft wertvollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie einen attraktiven Erholungsraum für die Bevölkerung.

Solche Projekte werfen aber auch Fragen auf: Sind Gewässerrevitalisierungen ein Gewinn für Natur und Ge-sellschaft? Was bringt eine Revitalisierung konkret für Hochwasserschutz, Biodiversität, Landschaft und Naherholung? Stehen die Kosten in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen?

Es fällt auf, dass sehr viele Strukturen geschaffen wurden: Wurzelstöcke, Baumstämme, Steinhaufen etc. Das war nötig, weil der Bach zu wenig Strömung hat, um solche Strukturen selber zu schaffen. Die durchgehende Tiefwasserrinne hilft den Fischen zu wandern, Hindernisse schaffen verschiedene Strömungen und lockere Kiesbänke bieten Ruhezonen.
Andreas Düring, Projektleiter Wasserbau Kanton St.Gallen und Marc Eggenberger, Co-Präsident Fischereiverein Werdenberg sind sich einig: eine Renaturierung lohnt sich, sie bringt allen einen grossen Mehrwert, wenn sie gut geplant und sorgfältig ausgeführt wird.

In der nächsten, dritten Etappe sollen 3,2 km Kanal in Sennwald revitalisiert und hochwassersicher ausgebaut werden. Der Abschnitt mit vier Brücken wird herausfordernd sein.

Im fünften UFS-Fokus haben wir Ihnen die Informationen des Erlebnispfads aufbereitet. Allerdings lohnt es sich, selber einen Augenschein zu nehmen und sich bei einer kleinen Wanderung ein Bild zu machen, ob Gewässerrevitalisierung nicht doch eher ein Erfolgsmodell ist.

www.werdenberger-binnenkanal.ch

Der erste flächendeckende Regentag nach drei Hitze- und Dürremonaten konnte die Umweltfreisinnigen inklusive Regierungsrat Beat Tinner nicht von der Begehung der zweiten Etappe des renaturierten Werdenberger Binnenkanals abhalten, um sich ein Bild zu machen und die gestellte Frage zu diskutieren.

Bereits seit 10 Jahren ist die Revitalisierung der ersten Etappe des Binnenkanals zwischen der ARA Buchs un dem Ochsensand auf einer Länge von 2,1 km abgeschlossen. Das Gewässer hat sich zu einem wertvollen Lebensraum entwickelt, es hat deutlich mehr Fische, Insekten und Vögel. Die Bevölkerung von Buchs schätzt das neue Nahrerholungsgebiet sehr.
Für die zweite Etappe ab Sevelen wurde das Gewässer verlegt, in den Wald neben der Autobahn. Dadurch konnte erstens ein breiterer Bach entstehen, zweitens beim alten Kanal eine Vernetzungskorridor geschaffen werden und drittens gab es weniger Konflikte mit der Landwirtschaft. Der Materialüberschuss wurde zum Auffüllen des alten Kanals und zur Geländemodellierung benutzt, für die Kiesbänke wurde Rheinkies verwendet, um die Transportwege kurz zu halten. 

 

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