Schweizer Wasser - Herausforderungen und Lösungen

An der ersten UFS-Feierabendveranstaltung zum Schwerpunktthema Wasser haben wir uns mit dem Wassermanagement in Zeiten von Knappheit und globalem Wandel befasst. Prof. em. Rolf Weingartner, ein bekannter Hydrologe, der u.a. an der Uni Bern gelehrt und geforscht hat, hat uns eindrückliche Daten vorgestellt und spannende Zusammenhänge aufgezeigt. Hier eine kleine Zusammenfassung:

Eine der grossen Herausforderungen für den Wasserhaushalt in der Schweiz ist die Klimaveränderung. In unserem kontinentalen, alpinen Raum wird sich die Jahresmitteltemperatur nahezu doppelt so stark erhöhen, als sie das im Rest der Welt durchschnittlich tun wird. Das zeigt die Grafik mit dem Temperaturanstieg in der Stadt St. Gallen in den letzten 200 Jahren und den erwarteten Anstieg.

Hitze wird zu einer der grössten Naturkatastrophen werden; die Anzahl Todesopfer von Hitzewellen in den letzten 20 Jahren wurde nur von jener einiger grosser Erdbeben und einem tropischen Wirbelsturm 2008 übertroffen. Entscheidend ist, dass sich die Luft sowohl in den Städten als auch über vegetationsarmem Land übermässig aufheizt und in den Nächten Wärme abstrahlt. Feuchtigkeit würde hier Linderung schaffen. Verdunstung verbraucht bis zu 80% der auf der Bodenoberfläche eintreffenden Energie. Wasser und «Grün» sind essenziell, also Schwammstädte mit viel unversiegelten Grünflächen und Bäumen aber auch Schwammlandschaften mit hohem Feuchtigkeitsgehalt sind wichtig. Stichworte hierzu, die Rolf Weingartner nannte sind: regenerative Landwirtschaft, Rückbau von Entwässerungen, Moorrenaturierungen, Aufforstungen.

Trotz Hitze und Dürren im Sommer wird die jährliche Niederschlagsmenge in Zukunft nicht wesentlich geringer sein, aber anders verteilt. Im Winter gibt es wahrscheinlich sogar mehr Niederschlag, vor allem in Form von Regen statt Schnee, was wiederum zu einer geringeren Schneeschmelze im Frühsommer führt. Weil Gletscher und Schnee als Wasserspeicher nicht mehr funktionieren werden, brauchen wir andere, neue Speicher, um die Sommertrockenheit auszugleichen: Seen, Moore, künstliche Becken – jedem Bauernhof seinen Weiher. Der Bericht des BAFU «Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweizer Gewässer», an dem Rolf Weingartner mitgearbeitet hat, bietet eine umfassende Übersicht.

Ebenso herausfordernd werden vermehrt auftretende Extremhochwasserereignisse sein. Das Mobiliar Lab für Naturrisiken der Universität Bern hat errechnet, dass bei einer Erwärmung von 20 C gegenüber heute die Zunahme der Gebäudeschäden 120% beträgt. Was heute in der Naturgefahrenzone gelb markiert ist, kann künftig eine blaue Zone sein. Kantonale Gefahrenzonenkarten, die sich den Verhältnissen dynamisch anpassen, würden helfen.  

Eine Voraussetzung für eine lebendige Biodiversität ist sauberes Wasser. An die schaumigen Bäche und die Badeverbote an vielen Schweizer Seen in den 50er Jahre mögen sich einige von uns noch erinnern. Das hat sich seither verbessert, jedoch auf tiefem Niveau mit neuen Problemen eingependelt. Die Geschichte des Schweizer Gewässerschutzes wird von der EAWAG mit einer eindrücklichen Visualisierung dargestellt. Die Erfolgsgeschichte der nahezu flächendeckenden Abwasserreinigung und der strengeren Grenzwerte von Pflanzenschutzmitteln (PSM) ab 2020 wird aber wieder zunichte gemacht mit der Einführung von neuen, problematischen PSM, die keinen Grenzwerten unterliegen. In der neuen Gewässerschutzverordnung werden nun endlich Grenzwerte für die neuen PSM eingeführt. Allerdings sollen die hochgiftigen Wirkstoffe Deltamethrin, Lambda-Cyhalothrin und Foramsulfuron von Grenzwerten ausgeklammert werden. Eine Recherche von SRF in der Sendung Rundschau zeigt auf, wie es dazu kam.

Das Fazit von Prof. Weingartner zu all diesen Herausforderungen: «Wasser wird in der Schweiz nur zu einem Problem, wenn wir nichts tun». Die Fachwelt weiss, was zu tun wäre, um negative Entwicklungen zu vermeiden und die Resilienz zu erhöhen. Die Politik tut sich schwer, gemeinsam auf Stufe Bund, Kantonen und Gemeinden vorausschauend und langfristig zu agieren: sie müsste Gesetze konsequent anwenden, statt sie zu verwässern, über verschiedene Amtsstellen hinweg gesamtheitliche Betrachtungen anstellen, Ursachen bekämpfen, Kompetenzen klar definieren und genug finanzielle und personelle Ressourcen bereitstellen. In den frühen 1990er-Jahren (zu dieser Zeit hat sich auch die umweltfreisinnige Bewegung formiert) galt die Schweiz als Vorreiterin im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Das Online-Magazin «Republik» ging in einem Artikel vom 28.05.2021 der Frage nach, was mit der damals vorbildlichen Schweizer Klimapolitik passiert ist.

Rolf Weingartner hat uns freundlicherweise einen seiner Aufsätze und ein Interview zur Verfügung gestellt. Letzteres finden Sie in unserem neuen Medium «UFS-Fokus» zusammen mit weiteren Links zu spannenden Webseiten, Berichten und Forschungen.

Grafiken: Rolf Weingartner
27.03.2026 / aki

Empfohlene Beiträge