Die Schweiz und der Klimawandel

 
Aletschgletscher 2018

Aletschgletscher - 1973 etwa 128 km², für das Jahr 1863 wird eine Fläche von 163 km² berechnet. 2018 sind es noch etwa 81,7 km²

Der Klimawandel ist dank den von Schülerinnen und Schülern organisierten Klimastreiks in den Medien und in den Tagesgesprächen plötzlich überall präsent. Auch im Wahlkampf für die kommenden Nationalratswahlen wird er eine Rolle spielen. Der Klimawandel, seit jeher auf der politischen Agenda der Umweltfreisinnigen, ist ein komplexes und facettenreiches Thema, das die lokale, nationale und globale Ebene gleichermassen betrifft.

2018 das wärmste Jahr seit Messbeginn
Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie stellte in seinem Rückblick auf das Jahr 2018 fest, dass die Jahrestemperatur in den meisten Gebieten der Schweiz 1.5 bis 2 oC über der Norm für die Jahre 1981 bis 2010 lag. Im landesweiten Mittel wurde eine Jahrestemperatur von 1.5 Grad über der Norm in den genannten Jahren gemessen. Damit wurde ein neuer Rekord seit Messbeginn im Jahr 1864 erreicht. In einzelnen Gegenden der Schweiz gab es über mehrere Monate hinweg nur wenige Niederschläge mit Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt, für Land- und Forstwirtschaft. Gerade die Ostschweiz war besonders betroffen. Hier fielen im Jahresdurchschnitt nur 80% der Norm-Niederschlagssumme von 1981 bis 2010. In der Zentral- und Westschweiz waren es rund 90% der Norm. Was erwartet uns in Zukunft, was können und müssen wir tun?

Ein Blick in die Zukunft
Das Bundesamt für Meteorologie erstellt in Zusammenarbeit mit dem seit Ende 2015 bestehenden National Centre for Climate Services (NCCS), einem Netzwerk aus mehreren Bundesämtern, der ETH und Bundes-Forschungsanstalten, Klimaszenarien, die Grundlagen sind für die Strategie des Bundesrates zur Anpassung an den Klimawandel. Wenn keine Massnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung getroffen werden, sieht ein für das Jahr 2060 (bzw. den Zeitraum 2045–2074) in Frage kommendes Szenario eine Erhöhung der Temperatur in den Sommermonaten von durchschnittlich 4.5 oC gegenüber heute, eine Reduktion der Regenmenge um einen Viertel und eine sommerliche Trockenperiode von rund 20 statt heute durchschnittlich UFS-Bulletin April 2019 www.umweltfreisinnige.ch 11 Tagen vor. Die Anzahl Hitzetage nähme von durchschnittlich einem auf 18 pro Jahr zu. Besonders betroffen wären stark überbaute Gebiete, wo sich sogenannte „Wärmeinseln“ bilden. Der Trend zu schneearmen Wintern, der seit den 1970er Jahren zu beobachten ist, wird sich verstärken. Die Gletscher werden weiter schmelzen und die Nullgradgrenze steigen. Diese klimatischen Veränderungen können vielfältige Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen aber auch auf Infrastrukturen oder die Naturgefahren haben. Es seien nur einzelne Beispiele genannt: Skilifte oder Lawinenverbauungen verlieren durch das Schmelzen von Permafrostböden ihren stabilen Untergrund, Siedlungen und Bauten werden häufiger durch Hochwasser gefährdet, starke Niederschläge verursachen vermehrt Erdrutsche, wegen der Hitze häufen sich vorzeitige Todesfälle, der Anbau von bisher eingesetzten Nutzpflanzen wie Kartoffeln oder Winterweizen wird durch höhere Temperaturen erschwert, es kommt zu einer stärkeren Vermehrung von Schädlingen.

Mögliche Handlungsfelder
Reduzieren und Vermeiden des CO2-Ausstosses und Massnahmen zur Anpassung an die klimabedingten Veränderungen sind wichtige Stichworte im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Hier ist sowohl jede/jeder Einzelne im Alltag als auch die Politik aufgefordert, einen Beitrag zu leisten. Die UFS werden einerseits bei Wahlen weiterhin Kandidatinnen und Kandidaten unterstützen, die sich für eine nachhaltige und realistische Politik im Hinblick auf eine klimaverträgliche Umgestaltung von Mobilität, Industrie und Raumplanung einsetzen, und andererseits Stellung nehmen zu Gesetzesvorlagen, die den nötigen Rahmen zur Umgestaltung schaffen. Gleichzeitig machen wir in unseren Feierabendveranstaltungen auf Herausforderungen und mögliche Lösungen aufmerksam.

Claudia Klinkmann / April 2019

 

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