Mit öV zum gesunden Klima

Luftaufnahme Rorschach und seine umliegenden Gemeinden

Rorschach, die Stadt am See, würde mit den umliegenden Gemeinden einen grossen funktionalen Stadtraum bilden. So sie den wollten.

Stolpersteine für einen klimafreundlichen öV in der Stadt am See
Stadt und Region Rorschach sind traditionell sehr gut an das schweizerische Eisenbahnnetz angebunden. Bereits seit dem 19. Jahrhundert (Eröffnung der Linie Rorschach - Winterthur 1856) queren wichtige Eisenbahntrassen (Seelinie nach Romanshorn, Bergbahn nach Heiden) die Region und beschleunigten deren Industrialisierung. Erreichbarkeit ist für die Regionalentwicklung seit jeher ein wichtiger Treiber.

Mit dem Verlust der direkten Fernverkehrsverbindung Rorschach – Genf um die letzte Jahrhundertwende hat sich die Erreichbarkeit jedoch schlagartig verschlechtert. Seit diesem Zeitpunkt kämpft vor allem die Stadt Rorschach dafür, wieder eine Verbindung Richtung Zürich ohne Umsteigen zu erhalten.

Das zunehmende Bedürfnis nach Mobilität führte auch in der Ostschweiz 2001 zur Inbetriebnahme der S-Bahn St.Gallen. Dies war für den öffentlichen Verkehr in der Agglomeration St.Gallen ein grosser Schritt in die richtige Richtung. Auf die komplette Umsetzung des Konzepts wartet die Agglomeration jedoch immer noch. Es fehlen der durchgehende Viertelstunden-Takt und die direkten Verbindungen über die Landesgrenze nach Bregenz und Lindau.

Gleichzeitig wurde das regionale Busangebot ausgebaut und in den Abendstunden verlängert. Im Jahr 2000 konnte ein Versuchsbetrieb für das lokale Seebus- Netz gestartet werden, welcher primär als Zubringer zur S-Bahn gedacht war und das zusammengewachsene Siedlungsgebiet der drei Gemeinden Goldach, Rorschach, Rorschacherberg erschliesst.

Die Ausgangslage für einen attraktiven und konkurrenzfähigen künftigen öV scheint somit nicht schlecht. Die Frage ist nun, wie diese gute Ausganglage genutzt werden kann und wie der öV klimafreundlich weiterentwickelt werden soll, damit er die nötigen Frequenzen erreicht, bezahlbar bleibt und somit gegenüber dem motorisierten Individualverkehr konkurrenzfähig ist.

Funktionale Stadträume statt lokale Kleinstrukturen
Die Stolpersteine im öV sind die komplexen Beziehungen von Leistungsbesteller, -erbringer und deren Finanzierung. In der Region Rorschach kommt noch hinzu, dass sich der funktionale Stadtraum der Stadt am See über die Gemeinden Goldach, Rorschach, Rorschacherberg, Tübach und Thal mit den Siedlungen Altenrhein, Staad und Buchen erstreckt. Die gewachsenen Strukturen der Angebote kannibalisieren sich gegenseitig und durch die Betrachtung aus der Gemeindeoptik entsteht ein System gegenläufiger Interessen. Jeder Lokalpolitiker will möglichst alle Angebote für seine Gemeinde. Der Aushandlungsprozess ist fast nicht zu organisieren, da die entsprechenden politischen Strukturen nicht vorhanden sind.

Es wäre wesentlich zielführender, wenn der funktionale Stadtraum als eine politische Einheit organisiert wäre. Gegenwärtig geschieht der Aushandlungsprozess auf informeller Ebene und immer aus dem Blickwinkel der einzelnen Gemeinde. Die regionale Klimabrille wird selten von einem Lokalpolitiker aufgesetzt und Kanton und Bund haben übergeordnete Interessen. Das Resultat ist ein ineffizienter öV, der nur mässig attraktiv ist. Es bleibt ein fraktales Mobilitätskonzept übrig, welches das klimapolitische Potential nur teilweise ausschöpft.

Ronnie Ambauen / Oktober 2019

 

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