Der Grüne Ring – Geschenk oder Last?

 
Luftaufnahme St.Gallen 1965

St.Gallen, Stadt im grünen Ring | 1965

St.Gallen - Stadt im grünen Ring

St.Gallen, Stadt im grünen Ring | 2015

Das Stadtparlament St.Gallen hat am 4. Dezember 2012 nach intensiven Beratungen einen umfassenden Richtplan verabschiedet. Darin werden erstmals die Bereiche Siedlung, Landschaft und Verkehr für St.Gallen gesamthaft dargestellt, die vom Parlament gesetzten politischen „Leitplanken" und die Strategien sowie die Richtung, in welche sich die weitere Planung bewegen soll, aufgezeigt. Räumliche Entwicklung, Planung und Schutz der Naherholungszonen stellen die städtische Planung vor besondere Herausforderungen. Unsere Stadt ist mit steigendem Bedarf an Wohnflächen, mit einer moderat wachsenden Bevölkerung und der Notwendigkeit, für gute Steuerzahler hochwertigen Wohnraum bereitzustellen, konfrontiert. Knapp ist insbesondere auch das Angebot an Gewerberäumen.

St.Gallen – „Die Stadt im Grünen Ring“.
Ein Widerspruch zur wirtschaftlich erfolgreichen Stadt? Dürfen wir den Grünen Ring der Siedlungsentwicklung opfern? In der Tat ist die Form der Stadt von den umliegenden Hügeln geprägt, die Stadt erfährt dadurch eine natürliche Begrenzung. Im Richtplan steht, dass die Einengung und Begrenzung des Baugebietes durch den „Grünen Ring“ den Vorteil habe, dass die Naherholungsgebiete für alle Bewohnerinnen und Bewohner in kurzer Zeit erreichbar sind, dass aber auch Prioritäten zu setzen und Nutzungskonflikte zu klären sind. Denn die Hügelzonen sind begehrte Wohnlagen, die wohl ohne Weiteres überbaut werden könnten.

Diese widersprüchlichen Gesichtspunkte lassen sich am Birnbäumenhang gut aufzeigen. Über diese Wiese bin ich als Kind noch mit dem Schlitten gesaust, für mich lag dieser Hang damals ausserhalb der Stadt. Heute gibt es dort eine Überbauung, die von Besuchern oft als hässlich und das Landschaftsbild störend beurteilt wird, auch wenn die Wohnungen schön und die Aussicht einmalig sind. Was macht denn diese Überbauung aus? Sie befolgt die inzwischen auch gesetzlich festgeschriebene Forderung nach Verdichtung in vorbildlicher Weise. Bauliche Verdichtung ist in der Schweiz ein Muss, wenn wir unsere landschaftlichen Reize nicht innert weniger Jahre unter Beton begraben wollen. Ebenso ist das Gebiet, wie dies der Richtplan vorsieht, mit öffentlichem und Individualverkehr erschlossen. Klar ist auch, dass die Stadt nun nicht einfach so weiterwachsen und sich langsam in die Hügel „hineinfressen“ darf. Damit würde sie als Lebensraum an Attraktivität verlieren, und deshalb ist es auch richtig, hier Grenzen zu setzen. Also kein Grund, meiner „Schlittelpiste“ nachzutrauern, aber ein Ansporn, sinnvolle Siedlungsgestaltung zu unterstützen und eine attraktive Umgebung zu erhalten.

Elisabeth Zwicky Mosimann, Stadtparlamentarierin St.Gallen / März 2015

 

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