Die vielfältige Welt des Bodens

Von Schichten, Organismen und wichtigen Funktionen.

Das System Boden ist vielschichtig, einzigartig und in ständiger Veränderung. Böden entwickeln sich im Verlauf der Zeit aus den Ausgangsgesteinen an der Erdoberfläche durch den Einfluss von Witterung, Bodenorganismen, Vegetation, Topografie und der Menschen.

Vielschichtig in Aufbau und Zusammensetzung
Der Boden besteht aus verschiedenen Schichten, Horizonte genannt. Das Ausgangsgestein ist der Untergrund. Der mineralische Horizont darüber enthält Quarz, Eisen und andere Mineralien, dann kommt der Oberboden oder Humus, ein Gemisch von organischem und mineralischem Material. An der Oberfläche liegt die Streu aus Pflanzenresten, die von unzähligen Bodenlebewesen zersetzt, abgebaut und in den Boden eingearbeitet wird. Je mehr Mikroorganismen, kleine Wirbellose, Regenwürmer, Schnecken und andere Lebewesen in einem Boden aktiv sind, umso gesünder ist er. Es gibt viele unterschiedliche Bodenarten und Schichtungen, sie werden ähnlich den Pflanzen und Tieren benannt und gegliedert.

Vielschichtig in Funktion und Nutzen
Böden sind eine nicht erneuerbare Ressource von grossem ökologischem und ökonomischem Wert, sie erfüllen eine Reihe essentieller Funktionen. Diese werden nach internationalem Standard wie folgt definiert:

Lebensraum: Böden sind die Basis aller Landlebensräume inkl. die der Menschen. Und sie sind auch selbst artenreiche Ökosysteme, in denen sich Millionen kleiner und kleinster Lebewesen tummeln.

Regulierung: In einem perfekten Kreislauf werden Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor und Schwefel im Boden aufgenommen, umgewandelt und wieder verfügbar gemacht. Der Boden bindet Schadstoffe, reinigt und speichert das Wasser und verzögert bei Starkniederschlägen den Abfluss. Und er bindet viel CO2, eine zentrale Funktion im Klimageschehen.

Produktion: Mehr als ein Drittel unserer Böden dient der Erzeugung von Nahrungsmitteln. Auf einem weiteren Drittel wächst im Wald verwertbares Holz.

Trägerfunktion: Auf dem Boden stehen alle Gebäude samt Umschwung, alle Strassen, Bahnen, Infrastrukturanlagen, Erholungs- und Grünanlagen.

Rohstoff: In der Schweiz ist dies hauptsächlich Wasser, abgebaut wird einzig Kies, Kalkstein und Granit. Potenzial hat in Zukunft die Geothermie.

Archiv: In Böden lagern tierische und pflanzliche Fossilien und Spuren menschlicher Nutzung. Archäologen können im Boden Natur- und Kulturgeschichte der betreffenden Gegend lesen.

Vielschichtig bedroht und beschädigt
Jede Bodennutzung hat Auswirkungen auf dessen Eigenschaften und damit auf die Funktionen, die er erfüllen soll. Der Boden wird bedroht durch Versiegelung, Verdichtung, Erosion, Verlust an organischer Substanz, Verlust an Bodenbiodiversität, Kontamination, Versauerung, Versalzung und Überschwemmungen. In der Bodenstrategie Schweiz hat das BAFU 2020 festgestellt, dass der Boden nicht nachhaltig genutzt wird: „Eine detaillierte Analyse der Bodenbedrohungen hat ergeben, dass aufgrund der heutigen Bodennutzung in der Schweiz nicht mehr alle Bodenfunktionen dauerhaft sichergestellt sind.“

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